Verkehr neu denken

Schöllkrippen hat Radwege.

Schöllkrippen baut neue Radwege.

Schöllkrippen plant noch mehr Radwege.

Stimmt. Und trotzdem sind wir noch weit entfernt von einem zeitgemäßen, ökologischen und menschenfreundlichen Verkehrskonzept entfernt. Ein neuer Parkplatz, ein Großkreisel und eine temporäre Tempobegrenzung vor dem Schneppenbacher Kindergarten sind passende, aber nur kleine Teile eines noch zu entwerfenden Puzzles, das allen Verkehrsteilnehmerinnen und Bewohnerinnen etwas bringt.

Nicht an Symptomen herumdoktern, sondern neue Möglichkeiten schaffen.

Meine Kindheit in Schöllkrippen habe ich zu Fuß oder auf dem Fahrrad verbracht. Ehrlich gesagt, kann ich mir das bei meinen Kindern Stand heute nicht vorstellen: zugeparkte Gehsteige, fehlende oder ungünstige Straßenquerungen sowie nicht existierende innerörtliche, fußgänger-bzw. fahrradtaugliche Verkehrswege machen einen sicheren Schulweg annähernd unmöglich.

Hier muss man genau überlegen, was man beeinflussen kann: Das rücksichtslose Verhalten von Autofahrerinnen kaum (da ist jeder selbst gefragt), bauliche Schutzmaßnahmen und das Fördern von Alternativen zum innerörtlichen Autoverkehr sind aber durchaus in der Verantwortung der Gemeinde.

Natürlich kann man sich über Helikoptereltern vor Schulen aufregen und fehlende Parkplätze anmahnen, aber man kann auch hinterfragen, ob für jedes Brötchen das Auto bewegt werden muss. Das ist keine pauschale Kritik an unser aller Bequemlichkeit, das kenne ich selbst gut genug. Und ich sehe durchaus, dass es Menschen gibt, die nur mit dem Auto mobil sein können. Ich möchte keine Mutter mit kleinen Kindern oder bewegungseingeschränkte Senioren im Sinne des Klimaschutzes zu Fuß durchs Dorf treiben. Was wir also tun können ist, den eigenen Autoeinsatz im Ort zu überdenken und einzuschränken. Was die Gemeinde tun kann, ist die dazu erforderliche Infrastruktur zu liefern.

Das können wir besser lösen!

Wenn ich als Fußgänger nicht mehr sicher durchs Dorf komme, ist es Zeit, dass etwas geschieht. Nehmen wir die unübersichtlichen Kurven der Waagstraße. Wer kommt denn da sicher rüber?! Da sind beileibe nicht nur Kinder benachteiligt und gefährdet. Der Bürgersteig mit der Breite eines Aktenordners, gepaart mit einem Linienbus und zulässiger Geschwindigkeit von 50 km/h sind für uns alle eine echte Bedrohung. Zwar hat die Gemeinde nur eingeschränkten Einfluss auf Staatsstraßen. Aber mit Kreativität und Beharrlichkeit sind übergeordnete Behörden schon des Öfteren überzeugt worden.

Ich persönlich bin keineswegs ein Gegner des Ausbaus von Straßen und Parkplätzen. Ich denke aber, dass der individuelle Autoverkehr sowie der Gütertransport im Interesse der Gemeinschaft aus Jungen und Alten, Autofahrern, Radlern und Fußgängern, mobilen und mobilitätseingeschränkten Mitbürgern neu gedacht und reduziert werden muss. Was nützen uns beispielsweise Mehrgenerationenhäuser und seniorengerechter Wohnungsbau, wenn die Bewohner nicht mal zu Fuß zum Einkaufen können?

Bei einer fortgesetzten Zunahme des motorisierten Verkehrs sehen unsere Städte und Dörfer überwiegen die Nachteile: ein Verkehrskollaps wegen zu vieler Autos und Lkws, extreme Gefahrensituationen für Radfahrer und Fußgänger, Staus durch Parkflächen auf den Fahrbahnen sowie damit einhergehend erhebliche Geräusch- und Abgasbelastungen.

Alternativen können u.a. sein: barrierefreie Zugänge zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, barrierefreie Gehwege und Straßenquerungen, Radschutzstreifen, nutzen der Kommunalen Verkehrsüberwachung im gesamten Ortsgebiet und drängen auf Geschwindigkeitsbegrenzungen bei übergeordneten Behörden. Das sind Bausteine, an dem die Gemeinde ansetzen kann. Es ist doch unsere Lebensumwelt, um die es geht!

Jugendliche vom Auto-Tropf der Eltern nehmen:
kostengünstige ÖPNV-Tickets

Auch unsere Jugendlichen brauchen die Möglichkeit, sich im Landkreis frei bewegen und ihren Interessen nachgehen zu können. Daher sollten wir uns dafür einsetzen, dass auch unsere Mittelschüler – so wie die Schülerinnen weiterführender Schulen – ein kostengünstiges Ticket für den ÖPNV erhalten. Sich mit Freunden in Aschaffenburg oder Alzenau zu treffen, und zwar ohne von den Eltern gefahren werden zu müssen, ist kein vermessenes Anliegen. Die Angebote in Schöllkrippen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sind, reichen unserer Jugendlichen bei weitem nicht aus. Mit einem „die können doch hier bleiben“, machen es sich die Erwachsenen (und meist Autofahrer) viel zu einfach.

Verkehrspolitisch ist das bei Weitem nicht alles, was wir neu denken und anpacken müssen. Sicher haben Sie auch Ideen dazu?! Sprechen Sie uns an – den Gemeinderat, die Verwaltung oder mich direkt. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen!

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